Der letzte Monat ist angebrochen und wir orientieren uns immer mehr nach dem Ausgangspunkt San Francisco.
Es gibt aber vorher noch einiges zu berichten.
Wir mussten den Ölwechsel machen lassen. Eigentlich hatten wir uns dies recht kompliziert vorgestellt, denn derjenige der uns den Camper erklärt hatte, hat uns dies so erklärt: Wir hätten zuerst mit ihnen Kontakt aufnehmen sollen und sie hätten dann einen Termin mit einer möglichen Werkstatt aufgenommen und wir hätten dann dorthin fahren sollen. Wir sahen uns schon einen Tag ohne unser zu Hause und beim Däumchen drehen. Als wir bei der Notfall Nummer anriefen, lösten wir nur grosses Erstaunen aus, was wir denn wollten. Wir sollten einfach bei Jiffy Lube oder einer ähnlichen Firma vorfahren und es machen lassen, bezahlen und bei der Rückkehr die Quittung vorweisen, damit wir das Geld zurück erhalten. Wir fuhren also in Idaho Falls bei Jiffy Lube vor, erzählten von unserem Begehren und kamen gleich in die Box 2. Meilenstand 8636 Meilen. Wir hatten diesen Jiffy Lube ausgesucht, da vis-à-vis ein Arby’s war und wir uns die Zeit dort vertreiben wollten. In den Fast Food Läden gibt es überall freies WiFi und wir hätten so surfen können und die Zeit wäre nicht zu lang geworden. Wäre und können sind die richtigen Verben, denn bei der Abgabe des Schlüssels fragten sie, ob wir in ihrer Lounge warten wollen und ich sagte, wir gehen gegenüber etwas essen und wie lange es dauern sollte. Dann kam die Antwort so in einer viertel Stunde. Wir lächelten uns an und gingen ungläubig rüber. Wir hatten noch nicht unsere Roastbeef Burger erhalten und unser Motorhome stand schon wieder draussen. Öl- und Ölfilterwechsel, Klimaanlage Filter gewechselt und die Scheiben geputzt. Alles in knapp 15 Minuten… Und wir waren noch an diesem Morgen 100 Meilen gefahren bis zur Werkstätte. Unglaublich einfach!!!! Und erst der Preis: alles in allem keine 40 US Dollar.
Wir fuhren an diesem Tag also gemütlich weiter nach Arco. Die Strecke dorthin war recht öde, denn ohne Bewässerungsanlagen gab es nicht einmal Büsche. Einzig fiel uns ein riesiges Gebäude auf. Es hiess es sei eine Forschungsstation und die ganze Gegend war abgesperrt. Man muss wissen, dass das erste Atomkraftwerk in Blackfoot, Idaho gebaut wurde. Sieht man ein Bild davon, hat dies nichts mit dem heutigen Atomkraftwerk zu tun. Grund unserer Fahrt nach Arco war auch der Craters of the Moon N.P und nicht die Forschungsstation. Ein Gebiet, das von Vulkanen gebildet wurde und auch einige Höhlen zum Erkunden hat. Die Höhlen sind nicht sehr hoch und eher etwas für Jugendliche zum Erkunden. Wir sind aber trotzdem zu einigen gewandert und haben dabei unsere erste Schlange gesehen, die war interessanter als die Höhlen. Von da ging es dann weiter Richtung Berge. Ab Challis stiegen wir wieder um einige Höhenmeter. Unser Tagesziel war Stanley. Der Campground war urchig. Es gab etwa nur zehn Plätze und er lag in einem Wäldchen. Das Beste war aber, dass sie ein Restaurant hatten und wir an diesem Abend home made Prime Rib assen, die den Tellerrand überragten und Baked Potato mit Sour Cream und Butter. Als gute Europäer assen wir Salat dazu. Der US-Amerikaner kann auch ohne Gemüse leben. Es war köstlich. Die Beiz sah wie ein Saloon aus und hatte auch als Deko so manches Cowboy Stück (alter Sattel auf einem Dachbalken, Hüte, Friedenspfeife,…). Wir genossen von Stanley bis nach Boise eine herrliche Landschaft mit Wäldern, Flüsschen, wenig Verkehr, wenig Ortschaften. Erst je näher wir Boise kamen, wurde es immer wie geschäftiger. In Boise blieben wir um uns wieder einmal mit Golfen zu beschäftigen und der Golfplatz hatte es in sich.
Boise war auch unsere endgültig letzte Station in Idaho. Wir fuhren dann kurzerhand auf der Interstate 84 nach Ontario, Oregon. Im Visitor Center erkundigten wir uns über die Sehenswürdigkeiten von Oregon. Unser Etappenziel war John Day, ein kleiner verschlafener Ort, wo wir für eine Nacht unsere Zelte aufschlugen. Wir bewegen uns schon seit wir aus dem Yellowstone N.P. raus sind, nicht wirklich mehr auf typischen touristischen Routen. Unsere Nachbarn sind US-Amerikaner, die durch die Lande reisen oder sich ihr Heim auf dem Campground eingerichtet haben. Es sind Pensionierte, aber auch Leute die in der Nähe einen Job haben, die nicht in Wohnungen oder Häusern wohnen, sondern sich den Campground als Standort ausgewählt haben. Sie sind dann auch diejenigen, die wenn sie uns länger als eine Nacht sehen, ansprechen und fragen woher wir sind, was wir den Tag über gemacht haben usw. Ihre Unterkünfte sind so unterschiedlich. Es können alte verbeulte Wohnwagen sein, die sicher keine Meile auf der Strasse halten würden bis hin zum High Tech Wohnwagen/Mobilehome, dass wie ein Schiff so gross ist und zusätzlich die Möglichkeit hat, gewisse Teile seitlich auszufahren. Drinnen in diesen High Tech Dingern gibt es Tisch und Stühle wie in der guten Stube zu Hause.
Von John Day ging es weiter über Land und um uns gab es wieder dieses braun-rote Gestein, das wir so gerne sehen. Eine Eigenart (Oregon betitelt es als eines ihrer sieben Oregon-Wundern) entdeckten wir auf der Fahrt nach Terrebonne: die Painted Hills. Hügel gefärbt mit gelben und roten Strichen (Vulkangestein, dass von seiner Zusammensetzung mit der Luft eine chemische Reaktion ergibt und sich verfärbt). Einfach wieder ein Wow Effekt.
Nach einer kurzen Stärkung fuhren wir bis zum Crooked River Ranch Resort. Der Grund warum-weshalb-wieso wir unser Zelte gerade dort aufschlugen? Wir fuhren mit unserem RV auf den Campground, schlossen unseren RV an, schulterten unsere Golfschläger und liefen 5 Minuten zum 18-Loch Golfplatz. Ein Resort, das sich auf Camper Golfer eingestellt hat. Eine super Sache, denn wir haben meist schon alle Aufmerksamkeit bei anderen Golfplätzen, wenn wir mit unserem Gefährt auf dem Parkplatz auftauchen. Stellt euch vor auf dem Parkplatz vor dem Klubhaus sind hauptsächlich „grössere“ Autos parkiert. Wir stellen dann unserem 26 feet (8 m) langen, 12 feet (3.65 m) hohem, mit ROAD BEAR angeschriebenen RV, auf vier Parkplätze, da er soviel Platz braucht und dann steigen da zwei Frauen aus, die wollen doch tatsächlich golfen. Da geht die zweite Augenbraue hoch.
Für alle Nicht-Golfer: Es ist ein Männersport oder wie die alten Briten sagen, ein Gentlemen Sport. Frauen auf dem Golfplatz gibt es, aber wir sind die grosse Minderheit. Wenn wir zwei in der Schweiz den Golfschläger schwingen, werden uns gerne Männer (es hat ja auch mehr von ihnen) dazu gebucht. Eine Gruppe bzw. Flight (Fachausdruck) besteht eigentlich, wenn der Platz sehr stark frequentiert wird und dies ist meist so in der Schweiz, aus vier Spielern, die etwa alle 8 bis 10 Minuten am ersten Loch starten. Nun gibt es diese Männer, die sich Flights mit Frauen aussuchen, damit sie ihre beschützerische Ader (auf Deutsch: belehrende Ader) ausleben können. Wer uns kennt, bzw. besonders die Ältere von uns kennt, kann sich vorstellen, dass dies meist nicht gut geht. Aus diesem Grunde golfen wir mehr in Frankreich oder Österreich, wo wir auch alleine unterwegs sind. Wir möchten hier aber betonen, dass Ausnahmen, zwar immer selten sind, aber es GIBT sie.
In den USA ist es einfacher zu spielen und wir werden dann auch sehr gerne auf die Runde gelassen, aber meist steckt man uns beide zwischen zwei dreier/vierer Fligts Männer. Die vor uns kommen nicht vom Fleck und die hinter uns schlagen uns die Bälle um die Ohren. Sobald die hinteren mit uns einige Takte reden konnten und nun wissen, dass die Zwei aus dem RV Schweizerinnen sind und gerne in ihrem Land sind, golft es sich schon besser. Es wird also interessant in nächster Zeit, denn wir werden uns sicher mehr Zeit zum Golfen nehmen.
Crooked River war ein Hit und wir wollten dies schon bald wiederholen.
Von Terrebonne fuhren wir dann aber erst Richtung Süden in den Crater Lake N.P. Schon wieder ein Vulkan, aber das Spezielle daran ist, dass wir bis an seinen Kamm fahren und hinunter schauen werden. Da werden wir den See entdecken, der sich nur dank den Niederschlägen gebildet hat. Der See ist der tiefste in den USA. Wir haben uns auch entschlossen im Park zu übernachten. Die einzelnen Plätze lagen alle im Wald und wir hatten das Glück wenigstens einen zu finden, wo unser langes und hohes Fahrzeug hinein passte. Das schönste war aber die Feuerstelle, die gleich die Aufmerksamkeit von Claudia hervor rief. Nur mir gefiel es weniger, da draussen mindestens fünfzig tausend Mücken herum schwirrten. Ich blieb drinnen und beobachtete das Geschehen draussen. Es war genauso erfreulich und leider etwas unromantisch. Bären haben wir keinen gesehen, aber es war wieder einmal eine ruhige, stille Nacht ohne zusätzliche Lichtquellen.
Am nächsten Tag fuhren wir wieder nordwärts Richtung Sutherlin, wo uns das nächste Golf Resort erwartete. Hier brauchten wir nur zwei Minuten bis zum Abschlag und der Platz war etwas ruhiger. Wir begannen unsere Runde und dachten wir hätten kaum jemanden nach uns. Kaum gedacht, da kamen schon Bälle von hinten geflogen. Niemand vor uns weit und breit und hinter den drei Herren sah man auch niemanden, aber sie spielten uns in den Rücken. Wir winkten ihnen und zeigten ihnen sie sollen doch bitte uns überholen. Da kamen die drei Herren, alle schon lääääänger pensioniert, aber sehr in Eile. Der Eine kam zu uns, schenkte uns je einen Ball, bedankte sich, dass wir sie spielen liessen und umarmte uns!!! Noch nie dagewesen und spätestens die Umarmung hat ihm sicher mehr Freude gemacht als uns. Anyway wir spielten in Ruhe unsere Runde.
Von Sutherlin ging es dann weiter nach Bandon, an die Pazifik Küste von Oregon. Die Reise begann bei circa 4500 feet und wir mussten runter auf 0. Dies geschah beim Durchqueren von Wäldern mit dem Umpqua River, den wir schon länger als Begleiter hatten und dieses Mal waren wir mit ihm unterwegs bis zu seinem Mündungsdelta ins Meer. Wir fuhren dann Richtung Süden der Küste entlang und entdeckten riesige, gewaltige Sanddünen. Sanddünen, die ausserhalb der State Parks von Allrad Fahrzeugen befahren wurden. Überall sah man Spuren, man hörte sie und auf den umliegenden Campgrounds sah man sie umher stehen. Spielzeuge für Gross und Klein.
Von Bandon aus ging es weiter südwärts. Von Oregon fuhren wir nach California. Hier in diesem Staate begann vor einigen Wochen unser Abenteuer und schon bald geht es zu Ende.