Wir wurden schon darauf hingewiesen, dass unsere Wellness Oase in Lava Hot Springs mit den heissen Quellen nichts für uns sei, denn wir könnten bei der Wärme schrumpfen. Eingegangen sind wir nicht, obwohl ich in der Zwischenzeit eindeutig mehr Mühe habe, die Gegenstände in den oberen Regalen zu erreichen. Und gestern Abend, okay wir hatten etwas Wein getrunken, musste ich Anlauf nehmen um ins Bett zu kommen und am nächsten Morgen war mein Hüpfer aus dem Bett eindeutig von längerer Dauer. Liegt es daran, dass ich doch zu lange im heissen Wasser lag?
Auf unseren Wegen durch den Westen der USA fallen uns immer wieder die Schutthalden ums Haus auf. Da steht ein Haus mit einem verrotteten alten Traktor und vielleicht auch noch eine alte Egge, die als Dekor dienen. Okay, dies sieht nicht schlecht aus. Kurz danach kommt man zu einem Haus mit einem riesigen Zaun drum herum (noch glänzend neu). Hier erblickt man alle möglichen Fahrzeuge (vom Dreirad zum Lastwagen), die nicht mehr funktionieren und wenn dies nicht genügt, dann gibt es auch Kühlschränke, Gefrierschränke oder andere undefinierbare Blechteile, die noch zusätzlich ums Haus herum liegen. Da stellt sich die Frage: Ob hier wohl der Benzintank, das Öl, die Batterie oder die Kühlflüssigkeit vorher fachgerecht entsorgt wurden? Sie haben es ja eh nicht so mit dem Umweltschutz. Es gibt Campgrounds, besonders die Staatlichen in denen trennt man die Abfälle, aber ausserhalb wird alles in einen und denselben Container geschmissen. Eigentümlich wird es dann, wenn das Glas in den normalen Abfall kommt, hingegen werden die Blechbüchsen und das Plastik separiert. Und dann kommt Kalifornien, der ultimative andere Staat (besonders seit er von Schwarzenegger regiert wurde), der sich auf das Recyclen von Büchsen besonnen hat. Er verlangt ein Pfand auf die Büchsen, was wiederum zu einer Einkommensquelle für alle auf der Strasse Lebenden wird. Ein grosses Land, dass viel bewirken könnte, würde es sich etwas mehr um die Umwelt kümmern.
Unsere Reise führte uns weiter nach Idaho Falls, eine ruhige unscheinbare Stadt. Wir waren gut untergekommen und hatten nichts Weiteres im Sinn als Golf zu spielen, einige Einkäufe zu erledigen und besonders unseren Kühlschrank für die nächsten Tage aufzufüllen. Wir waren auch auf dem Wochenmarkt und fanden dort einen Crèpe Stand. Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, bestellten wir uns eine. Da kam die Frage auch gleich, nein dieses Mal fragte man uns nicht nach dem Land, sondern ob wir aus Idaho Falls seien. Wir gleich, nein aus der Schweiz. Der Herr war sofort interessiert und erzählte in einem perfektem Französisch, er hätte zwei Jahre als „Missionar“ in Frankreich gearbeitet und gelebt und hätte in den 90igern mit seiner Frau die Schweiz besucht. Sie waren in Lausanne, Neuenburg, Bulle und Gruyère. Er esse noch heute Greyerzer Käse und hoffe schon bald wieder in die Schweiz zu fliegen.
Es war auch genussvoll, in den letzten Tagen der einzige Rental RV (wobei auch US-Amerikaner Wohnmobile bei den uns bekannten Vermietstationen mieten) zu sein bzw. von US-Amerikanern umringt zu sein. Es ist ein anderes Miteinander. So kamen wir auch zur Information über den letzten Montag im Mai, den Memorial Day, ein wichtiger Nationalfeiertag in den USA. Er ist zum Gedenken der Opfer im ersten Weltkrieg gesetzlich festgelegt worden. Aus diesem Grunde seien die US-Amerikaner auch mit ihren zum Teil riesigen Wohnmobilen und mit Kind und Kegel unterwegs, aber dies hänge sehr von den Wetterfröschen ab. Sollten die einige Tage vorher Regen melden, wird alles abgeblasen. Es ist fast wie bei uns an Ostern oder Pfingsten, wenn es alle in den Süden zieht.
Unser Ziel am Memorial Day war der Yellowstone N.P. Wir fuhren aus diesem Grunde am Sonntag bis vor die Tore des grössten und ersten National Park der USA und hatten wohlweislich alles vorher reserviert. West Yellowstone gerade noch im Staate Montana war unsere Station vor dem National Park. Ein Städtchen mit 36 Hotels, 41 Ferienunterkünften und 53 Restaurants. Dazwischen findet man Shops mit Artikeln mit zwei Themen: Yellowstone N.P. und Huckleberries. Huckleberries sind ganz einfach wilde Blaubeeren. Sieht man das Angebot an Lebensmitteln mit Huckleberries können die nicht mehr wild gepflückt worden sein, denn die liebe Industrie könnte sich dies nicht leisten. Es hatte aber auch eine wichtige Anlaufstelle für den Park selber, wo man sich schon einmal informieren konnte, wie man sich die Tage im Park vertreiben konnte. Eine wirklich gute Hilfe.
Wir erfuhren von den Leuten vor Ort, dass es ein ruhiges verlängertes Wochenende sei und nicht so viele US-Amerikaner unterwegs seien. Wir fanden es seien genug, wobei wir feststellen mussten, dass am Dienstag weniger US-Amerikaner unterwegs waren, aber umso mehr gelbpigmentierte Wesen mit geschlitzten Augen, die oft von weitem wie der Yeti aussahen und von nahem nur etwas anders als wir gekleidet waren (Regenumhänge mit tiefsitzendem Hut, Mundschutz, Handschuhe trotz eindeutig warmen 20°). Angst flössten sie auch ein, weil sie meist in Massen kamen und uns einfach überrannten. Einzig ihre Unart zu „chodere“ warnte einem früh genug.
Nun kam er der Memorial Day und dieser 26. Mai sollte uns wirklich in Erinnerung bleiben. Wir fuhren durch ein Wäldchen und kamen nach etwa 15 Minuten in ein Tal und der Verkehr kam zum Erliegen. Es ging nur noch stockend voran. Endlich sahen wir auch den Grund dazu. Drei erwachsene Bisons zottelten ruhig auf der Strasse, wie bei uns beim Alpabzug. Im Tal erblickten wir gleich noch andere die sich einen Weg durch den Fluss suchten und die anderen einholten. Wir verloren viel Zeit, aber so auf gleicher Höhe mit einem Bison zu fahren, dass ist ein wunderbares Erlebnis. Bisons bekamen wir noch viele zu Gesicht und in den verschiedensten Situationen, natürlich immer mit dem gebührenden Abstand, besonders zu Fuss. Wir hatten am zweiten Tag unseren RV abgestellt und einen Spaziergang durch die Natur machen wollen. Es gab dort auch immer wieder Tafeln mit den Erklärungen zur Fauna. Als ich den Kopf anhob, sah ich nicht weit weg einige Bisons und sagte Claudia, komm gehen wir zurück, die kommen auf uns zu. Es war eine gute Entscheidung, denn es waren so an die dreissig Bisons mit ihren Kälbern und auf eine Fachdiskussion mit ihnen über Geburt, Wochenbett, Stillen und Mutterschaftsurlaub wollte ich mich nicht wirklich einlassen. Wir schauten dem gemütlichen Gang den Berg hoch zu und fuhren weiter. Die nächste Gelegenheit mit dem Fachsimpeln wurde am gleichen Tag ein Thema. Auf einer Hochebene stiessen wir auf einen Auflauf von Leuten und Autos und da wir selbst nicht mehr durchfahren konnten, vergrösserten wir selber auch den Haufen. Nach etwa fünf Minuten wurde klar, was die Herren und Damen mit ihren riesigen Teleobjektiven versuchten einzufangen. Da kam doch höchst erstaunt Mama Grizzly mit ihren drei Kleinen auf uns zu und versuchte eine Passage über die Strasse zu finden. Sie kam ganz dicht an unserem RV vorbei und ihr Blick sagte mir ganz klar, dass auch sie sich zwar über ein Fachgespräch zwischen Mutter und Hebamme gefreut hätte (ich denke sie hätte einige Fragen zum Stillen gehabt, so wegen Drillingen und zwei Zitzen), aber die Ruhe hätte uns gefehlt. So gab ich den Leuten um mich herum ein klares Zeichen sie in Ruhe zu lassen, indem ich mit aufheulendem Motor unsere Weiterfahrt bekundete. Wir sahen noch einige nicht weniger spektakuläre Tiere, wie drei Otter oder ein Murmeltier, Erdhörnchen (Verwandte von A – Hörnchen und B – Hörnchen), Vögel, Mule Deer und und und… Die Tierwelt ist nur ein Teil des Parkes. Es gibt sehr viele blubbernde Schlammlöcher, Geysire, Hotpots, die in den Farben blau, orange, gelb und grün schimmerten. Wir erlebten in kurzarmigen T-shirts noch viel Schnee oder Eisschollen auf dem Yellowstone Lake und treibende Eisschollen auf dem Yellowstone River. Der Yellowstone Canyon mit seinem riesigen Wasserfall und seiner gelbgefärbten Schlucht. Es ist ein wahnsinniges Spektakel und wir können es euch nur empfehlen zu erleben. Sicher hat es viel Kommerz im Park, aber auch sehr viel Natur und Ruhe zu erkunden.
Wir waren durch das Westtor in den Park hineingefahren, wo wir von Bisons begrüsst wurden und fuhren durch das Südtor wieder hinaus, wo uns ein Bär kurz vor dem Ausgang auf wiedersehen sagte. Die südliche Seite war auch die kältere Seite. Es lag noch sehr viel Schnee und die Seen waren noch zugefroren, aber kurz vor dem Ausgang verliert man einige Höhenmeter und der Schnee wird schnell weniger.
Nach diesen drei intensiven Tagen kamen wir in den ruhigen Grand Teton N.P., wo noch nicht viel los war. Die Bootsstege waren noch leer und einzelne Regionen noch gesperrt. Einerseits waren sie gesperrt wegen Lawinengefahr und andererseits damit die Tierwelt in Ruhe ihre Jungen kriegen können.
Dann kam dass hektische, kommerzielle Jackson. Jackson ist ein typischer Wintersportort, aber auch im Sommer wird viel Aktion geboten. Der Snake River bietet nicht nur den Riverrafter viel Spass, sondern auch die ruhigeren Fischer kommen hier zum Zug. Jackson hat ca 9500 Einwohner, aber sie schleusen jährlich 3 Millionen Besucher durch….
Für uns genügt eine Nacht hier und die noch ausserhalb. Idaho der Kartoffelstaat hat uns wieder und wir werden ihn noch etwas erkunden, aber erst nachdem wir in Idaho Falls den Ölwechsel bei unserem RV gemacht haben. Ja, Öl und Ölfilterwechsel nach gefahrenen 5000 Meilen (ca. 8000 km), aber davon das nächste Mal.