Hello everybody!
Eigentlich sollte ich täglich schreiben, denn es ist immer wieder schwer sich schon nach einigen Tagen an das Vorgefallene zu erinnern.
Wir waren also in Santa Fe. Sind früh losgefahren, da sie wieder starke Winde vorausgesagt hatten. Von dort fuhren wir weiter Richtung… Na klar, Albuquerque! Wo wir einfach nur durchfuhren. Eine ganz andere Stadt, viel kommerzieller, Hochhäuser, ein Wirrwarr. Nichts für uns. Kurz nach dem Stadtwirrwarr sind wir an eine Tankstelle gefahren. Sie war riesig und organisiert. Die ersten Tanksäulen waren nur für Autos, dann kamen die Motorhomes und zuletzt die Lastwagen. Für uns gab es nur eine Zapfsäule und die anderen hatten mindestens zehn. Was soll’s wir haben ja Auszeit (Claudia hat ja keine Ferien, nur ich 🙂 ). Als wir endlich an der Reihe waren ging das Gehetze los. Wir können nicht mit der Kreditkarte tanken, da man die Karte hier in den USA in den Kasten einführt und gleich wieder raus. Anschliessend soll man den Code eingeben, der aber fünf Stellen haben muss. Wir haben aber nur vier. Bei jedem Versuch werden wir gebeten beim Cashier vorbei zu gehen und es abzuklären. Sind es geschäftlich Interessierte, dann hinterlegen wir die Kreditkarte, tanken und zahlen dann. Bei den anderen heisst es für wieviel wollt ihr tanken. Sie wollen den Betrag wissen und ich weigere mich immer wieder und sage: I think thirty gallons. Hier schauen sie mich schon mal gross an und dann beginnen sie auszurechnen wieviel es machen könnte. Sie verbuchen den Betrag. Wir tanken dann und entweder ist der Tank dann voll oder wir haben nicht alles verbraucht und sie buchen es dann ab. Bei der Kreditkartenabrechnung sehen wir dann den Minus Betrag und dann später den Plus Betrag (vielleicht sind es dann nur 5 oder 6 Dollar!!!)
Jedenfalls mit diesem ganzen Hin und Her wurde die Schlange hinter uns einfach nur länger und ich versuchte unseren RV zu tanken. Nahm den Zapfhahn und was war jetzt los. Er ging einfach nicht rein (spätestens hier hätte einer versierten Dieseltankerin ein Licht aufgehen sollen)!!!! Es kam auch nichts raus. Ich drückte auf das gewünschte Gemisch (hier gibt es Bleifrei mit 87, 89 und 91 Octane) und nichts passierte. Ich begann schon auf alle zu fluchen und da hörte ich eine nette Stimme, es war der Herr hinter uns, der in seinem RV wartete: sie sollten nicht Diesel tanken. Ja danke, dich hat der Himmel geschickt! Hier in den USA sind die Diesel Zapfhähne grün und die anderen schwarz. Als wir unserem Vorgänger zugeschaut hatten, hatte Claudia nur so gesagt: schau, da ist mal einer der Diesel tankt und schon war ich auf zu Hause eingestellt. Glück gehabt!
Vollgetankt ging es weiter Richtung Petrified Forest N.M. Da bist du unterwegs, das Land um dir ist weitgehend flach mit nur kleinen Erhebungen, ausser Büschen siehst du nicht viel. Genau da fährst du um eine Kurve, eine einzige und die Welt verändert sich. Auf der Karte, die wir beim Eingang erhielten, stand einfach: erster Aussichtspunkt Painted Desert. Wir kamen also um diese Kurve und der Atem stockte uns. Es war einfach grandios, diese Farben, diese Weite, endlos schien es uns und das ganze Schauspiel nur für uns. Im weiteren Verlauf im Park sahen wir dann die versteinerten Bäume. Es sieht aus wie ein Baum und ist doch aus Stein. Du siehst noch die Maserung des Baumes und musst dir sagen, dass dies schon lange her ist.
Wir fuhren dann weiter Richtung Holbrook, wo wir eigentlich zwei Nächte bleiben wollten. Wir hatten den Campground so gewählt und gebucht, weil am nächsten Tag in unserem weiteren Etappenziel Schneefall gemeldet wurde. Nun fuhren wir durch das wenig anmachende Städtchen, kauften ein und sahen uns an. Beide sagten es fast gleichzeitig, eigentlich ist es noch früh und wir könnten es noch heute nach Flagstaff schaffen und morgen zusehen wie es schneit. Gemacht getan, mit Vollgas auf die Interstate 40, das Ruder fest in der Hand, denn in der Zwischenzeit hatten wir wieder einmal Wind bis zu 35 km/h und dies mit einem Motorhome und den überholenden Lastwagen, mussten die Hände schön brav auf dem Steuerrad bleiben. Vielleicht muss ich hier einmal erwähnen, dass unser Gefährt 8m lang und 3,7m hoch ist und so eine schöne Fläche dem Wind ausgesetzt ist. Wir sind jedenfalls glücklich einen Tag zu früh in Flagstaff angekommen und sie konnten uns auch unterbringen. Flagstaff ist DIE Übernachtungsmöglichkeit noch vor dem Grand Canyon N.P. Dieser Park ist mit dem Yellowstone N.P die zwei meistbesuchten Parks in den USA. Wir fuhren auf unseren zugewiesenen Platz und machten alle Anschlüsse (Wasser, Strom und Abwasser) klar. Nachts stellten wir die Wasserzufuhr ab, die Innenheizung für uns und die Warmwasserheizung an. So jetzt kann er kommen, der Schnee. Nachts begann es zu regnen und genau wie angekündigt fing es gegen 06.30 Uhr morgens an zu schneien. Erst war es ein Mischeln, aber dann kamen sie, die grossen Flocken, und um uns wurde es weiss. Wir sassen den ganzen Tag im RV, assen etwas, Claudia ging kurz raus, schauten Golf im Fernsehen (wir hatten uns einen solchen Platz mit Fernsehanschluss gemietet und das Kabel extra gekauft), assen wieder etwas, Claudia trotzte dem Schnee und der Kälte und ging wieder raus, wir spielten und dann gingen wir beide noch etwas raus. Am nächsten Morgen erwachten wir und glaubten unseren Augen nicht: die Sonne schien und der Himmel war stahlblau. Zum Glück lag der Schnee noch, denn sonst hätten wir an unserem Verstand gezweifelt.
Nun wollten wir uns wieder bewegen und fuhren aus diesem Grunde in Sunset Crater Volcano N.M. Der Vulkan hat zum letzten Mal im Jahre 1250 Lava gespuckt. Wir konnten also ohne Sorge die Umgebung erkunden, denn auf den Vulkan lassen sie niemanden mehr. Wir stiegen durch erkaltete Lavafelder und konnten beobachten, wie sich die Natur selbst in dieser Umgebung neu entwickelt. Wir standen nun in dem schwarzen Gestein und dachten an die White Sands wo wir vor einiger Zeit waren. Beides zusammen würde wieder einmal ein schönes Freiburger Wappen ausmachen :-). Auf unserer Weiterreise durch den Park kamen wir auch an Pueblo Ruinen durch. Bei der Rückfahrt nach Flagstaff waren wir wieder einmal mit den Strassenverhältnissen hier in den USA konfrontiert. In der Schweiz werden Tunnels gebaut; Haarnadelkurven, um einen Berg zu überwinden, geteert und hier geht es einfach gerade bergauf. Meist zweispurig, da ja die schweren Laster sonst den Verkehr zu stark aufhalten!!! Welch eine Ersparnis, wir könnten mindestens die Hälfte unserer Steuern sparen… und stellt euch die Strecke Bern – Zürich sechsspurig vor ( die Laster hätten zwei, damit sie Elefantenrennen fahren können und wir Autos hätten vier um uns auszutoben – Raser gegen Sonntagsfahrer mit Zigarre und Hut)
Wir waren noch immer in Flagstaff und gingen aus diesem Grunde noch Nach Walnut Canyon, wo wir die Ruinen von Pueblos in einem Canyon sehen konnten. Diese Indianer bauten ihre Häuser unter den Wölbungen der Felsen. Von oben sah man nur den Canyon und erst beim Runtersteigen und genauerem Hinsehen sah man ihre Bauten. Sehr interessant. Wir stiegen 240 Stufen in den Canyon hinunter und konnten von Nahe diese Ruinen betrachten. Es waren nicht so grosse Gebäude wie man sie aus dem Mesa Verde N.P. kennt, aber genauso raffiniert gebaut und getarnt. Kein Einfaches Leben damals, denn Wasser gab es nur auf dem Grund des Canyons und das Essen konnten sie nur oben jagen oder weniges auch auf den Terrassen vor dem Gebäude anpflanzen.
Nun war es aber genug mit Flagstaff. Wir rollten am 29.04. Richtung Grand Canyon. Über die 180 und dann der 64 gelangten wir als erstes an den Flughafen des Grand Canyon. Hier stiegen wir vom RV auf den Helikopter um. Ein guter Einstieg für Claudia, die ihn noch nie erlebt hat und für mich, die das dritte Mal hier war, etwas Neues. Es war grandios und überwältigend dieses Weltwunder aus der Luft zu erleben. Wieder auf dem Boden waren wir noch lange sprachlos. Am nächsten Tag fuhren wir in den Park hinein und konnten ihn nun vom Rand aus erleben. Die Organisation im Park ist genial. Du stellst Dein Fahrzeug ab und kannst dann dank Shuttle Bussen einen Aussichtspunkt nach dem anderen geniessen und erleben. Die verschiedenen Aussichtspunkte sind auch immer wieder mit Gehwegen verbunden und man kann auch im eigenen Tempo dieses Naturschauspiel betrachten. Meist ist es auf den Trails auch weitaus ruhiger, denn bei den Aussichtspunkten hast Du genau diese Touristen, die aussteigen, ihre Fotos schiessen und noch bevor der nächste Bus kommt, schon bereit stehen um wieder einzusteigen und zum nächsten Punkt zu fahren. Es ist so genial an diesem Rim zu stehen, die Ruhe zu geniessen und einfach überwältigt von den eigenen Gefühlen dieses grandiose Wunder zu bestaunen! Es gibt auch Trails die bis zum Colorado River oder auf Plateaus runter führen. Man kann sie selber laufen oder unter Führung. Diesen Abend verbrachten wir im Park selbst und am nächsten Morgen fuhren wir weiter. Ein letzter Blick, ein letztes Staunen, nochmals die Stille geniessen und fest im Herzen einschliessen…