23.06.14

Das Ende naht. In zwei Tagen werden wir das Flugzeug besteigen und uns zurück in die Schweiz fliegen lassen.

Unser erster Halt in Kalifornien war ein kleiner staatlicher Parkplatz mit Grillmöglichkeiten und Zugang zum Meer. Als erstes sahen wir den Übersichtsplan und ein grosses Schild mit: no over-night parking. Nun standen da zwei rostige Wohnwagen, die sicher keine Meile mehr fahren konnten, mit allem möglichen Plunder um sie herum. Wir sahen noch wie ein junger Mann darin verschwand. Ein selber gemachtes Schild mit Firewood 5$ stand an der Ecke, eine komische Sache die ganze Angelegenheit. Wir stiegen aus, schauten übers Meer und Claudia wollte noch runter ans Meer. Ich entschied mich, bei unserem Fahrzeug zu bleiben und auf sie zu warten. Kaum war Claudia weg kam ein Auto elegant um die Ecke und eine junge Frau stieg aus. Unter dem Arm hatte sie ein in einem Plastiksack eingepacktes Gefäss. Ein junger Mann kam von der gegenüber liegenden Seite aus dem Gebüsch und die zwei tuschelten miteinander und dann verschwanden sie. Als Claudia zurückkam, erzählte ich ihr von dem Gesehenen und wir fuhren langsam weg und blickten beide rüber zum Gebüsch um heraus zu finden, wo die beiden waren. Mir läuft dieses Bild noch heute nach. Es war eine von Büschen und Bäumen umgebene offene Stelle. Es gab gespannte Segeldächer und unter ihnen alle Gerätschaften zum Kochen und Schlafen und mitten drin Kinder. Wir sahen uns kurz an und sagten gleichzeitig: Die wohnen dort! Unglaublich. Wir fuhren weiter und fragten uns immer wieder, wie die Verhältnisse hier im Norden von Kalifornien sind, denn hier herrscht kein Glanz und Glimmer, sondern wir sahen viele herunter gekommene Häuser, viele leere Geschäfte und auch Leute, die mit Hab und Gut hinter sich herziehend herum liefen. Crescent City, unser nächstes Ziel zeugte auch davon. Selbst der Flohmarkt oder die Back Yard Sale, die hier in den USA immer einen riesen Auflauf verursachen, schienen nur schlecht besucht bzw. mit wenigen Sachen bestückt.

Wir hatten uns für einen Campground etwas vor Crescent City entschieden. Die Gegend beheimatet die sogenannten Redwoods. Diese Bäume können hunderte von Jahre alt werden und sie erreichen enorme Höhen. Diese Mammutbäume gehören zur Unterart der Küstenmammutbäume. Es ist gewaltig zwischen ihnen zu wandeln und besonders schön ist es seinen RV direkt vor ihnen geparkt zu haben und mit ihnen zu sein. Es erfüllt einem mit einer so schönen inneren Ruhe und Zufriedenheit und du vergisst die Welt um dich.

Wir fuhren noch bis Eureka an der Küste entlang und dann zog es uns wieder ins Landesinnere. Es ist schön an der Küste entlang, aber mit unserem grossen Gefährt kommen wir nicht immer an die schönsten Strände, besonders da in den USA die Möglichkeit besteht, dass du direkt mit dem Auto auf den Strand fährst. Das Landesinnere mit seinen Prärien und dann mit seinen Pinienwäldern ist auch sehenswert. Wir fuhren also von Meereshöhe hoch in die Sierra Nevada. Von Null auf 690m ü.M. dann wieder hinunter nach Redding auf 151m ü.M. Am nächsten Tag fuhren wir dann wieder durch Wälder, an Seen vorbei um dann irgendwann in South Lake Tahoe anzukommen. Auch hier ging es stetig aufwärts. Redding mit seinen 151 und unser Ziel mit seinen 1901 m ü.M. Warum wir nach Lake Tahoe fuhren? Ich war das letzte Mal vor 25 Jahren in Lake Tahoe und fand die Gegend bezaubernd und ich wollte es wieder entdecken. Gleichzeitig wusste ich, dass wir viele Schweizer Benennungen in dieser Gegend entdecken werden (wie z.B. Bigler, Alder, Grimselpass, Matterhorn und noch viele mehr).

Als wir über den Berg runter auf Tahoe City kamen, erschlugen mich das Gewusel und der Verkehr fast. Es sah fast so aus wie bei uns am Brienzersee bei schönem Wetter im Sommer. Wir wollten uns eine kleine Pause gönnen und hier etwas essen. Per Zufall war da am Strassenrand ein Parkplatz frei, aber die emsigen Lädelibienchen da draussen machten mich bewusst, dass ich ja allergisch gegen Bienenstiche bin und es gescheiter ist weiter zu fahren. Jetzt kam die Herausforderung, denn das sich in den Verkehr einfügen, war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wer will schon als Autofahrer einen langweiligen RV vor sich??? Na ja, die konnten nicht wissen, dass ich am Steuer sitze und ich wahrlich zu den langsamen Fahrern gehöre, selbst wenn die Strasse noch so kurvenreich ist. J Mir gelang nach fünf Minuten das Unmögliche und ich reihte mich ein. Auch hier sind die Seesichten häufig mit Häusern zugepflastert und nur wenige Abschnitte sind noch für die normal Sterblichen. Wir fanden so eine Stelle, wo wir dann gemütlich gepicknickt haben. In aller Ruhe ohne Gedränge.

In South Lake Tahoe war es etwas gemütlicher. Auf der Hauptachse gab es auch vier Kolonnen Stauverkehr, aber es hat da mehr Platz und Luft. Wir haben die wundervolle Gegend erkundet und auch eine Runde Golf gespielt, unsere leider letzte Runde in den USA. Auf der Golfrunde haben wir das Miteinander nochmals genossen. Auf jedem Platz hat es einen sogenannten Marshall, der im Auge behält, dass die Langsamen nicht zu langsam sind und die Schnellen nicht zu schnell sind. Bei uns in der Schweiz ist es so, dass wenn der Marshall hält, ziehst du den Kopf ein, denn es ist nie was Gutes. In den USA sind dies meist Pensionierte Klubmitglieder, die von Gruppe zu Gruppe fahren und sich nach dem Befinden erkundigen und gerne mit dir etwas reden, selbst wenn dies einmal fünf Minuten in Anspruch nimmt. Golf is fun, dies ist ihre Devise. Auf diesem Platz kam auch ein älterer Herr zu uns und erkundigte sich woher wir kamen. Ach, aus der Schweiz, da war ich letztes Jahr, bzw. ich war in Irland und das liegt ja ganz in der Nähe und darum waren wir auch noch dort und ich liebe die Schweiz und überhaupt wie geht es euch hier und noch schönes Spiel. Beim dritten Treffen ging ich auf ihn zu und erzählte, dass es bei uns kein gutes Zeichen ist, wenn der Marshall anhält. Auf diesen Satz sprang er aus seinem Wagen und sagte, bei uns wird nach dem Befinden gefragt und er dürfe Big Hugs verteilen und dies sei doch das Schöne an seiner Aufgabe. Er nahm uns beide in die Arme und fuhr weiter…

Wir mussten uns wohl oder übel langsam mit dem Weg nach Hause befassen. Wir benutzten die Möglichkeit in den Tagen in Lake Tahoe in unserem riesigen Campground unter den Pinien den RV zu entrümpeln. Vieles musste entsorgt werden und sie hatten so schöne grosse Container. Wir durften dies ohne weiteres, denn andere entsorgten ihre Zelte oder Luftdoppelmatratzen, also konnten wir gut unsere kaputten, alten Kleider und all die Prospekte und all das Kleinzeug, das sich angesammelt hatte auch hinterlassen. Am Abfahrtsmorgen haben wir selbst unseren kleinen Kohlegrill, den wir in Los Angeles angeeignet hatten (ein junges Pärchen hatte ihn auf dem Tisch mit vielen anderen Dingen hinterlassen), „vergessen“ (schliesslich gehöre ich schon zu den 50+ und bei denen fängt es ja so an…). Er stand ganz blöd hinter einem Baum und da steht er vielleicht noch oder es ist ihm so ergangen wie beim letzten Mal und jemand ist er gerade im richtigen Moment unter die Hand gekommen.

Von South Lake Tahoe wollten wir es nochmals wissen und fuhren erst über einen 2300m hohen Pass und gleich dann noch auf den Carson Pass, der bei 2700m hoch war. Die Route 88 ist auch nur im Sommer mit dem Auto teilweise befahrbar. Es gibt noch ein – zwei Skigebiete, aber sonst ist da nur reine Natur. Leider sahen wir keinen Bären, aber es gibt ihn den Kalifornischen Bären, nur wollte er sich uns nicht zeigen. Wir mussten heute also wieder runter auf 15m ü.M. Es ging rasant immer weiter den Berg runter und kaum waren wir aus den Bäumen, begann eine vertrocknete Prärie mit einigen grünen Bäumen und schwarzen Kühen als Kontrast. Der Verkehr nahm zu, die Prärie wandelte sich zum Teil zu Obst- und Walnussplantagen oder Weinstöcken um. Lodi hat dem Napa Valley den Kampf angesagt. Sie wollen die Führung in der Weinproduktion übernehmen. Da wünschen wir viel Erfolg.

Nun begann die letzte Etappe. Unser Ziel war South San Francisco Candlestick RV Park.